Schlagwort: Gesellschaft (Seite 1 von 2)

Ohne Ankommen kein Weiterkommen

„Ja sicha!“, sagt Ahmad* mit einer selten dagewesenen Selbstsicherheit und auf original Tirolerisch. Dabei grinst er breit und zuckt kaum merkbar mit der Schulter. Er wundert sich ein bisschen über meine Frage. Das kann ich seinem Blick entnehmen. Ob ihm seine Arbeitsstelle gefällt, wollte ich wissen. Dass er sich so selbstverständlich darüber wundert, deute ich als gutes Zeichen. 

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Kritische Öffnungsschritte, Transformationen, ein Kleiderschrank

Bald schon beginnen die ersten Öffnungsschritte und vorsichtig, ja noch sehr vorsichtig fragt sich die Resthoffnung in uns, ob es vielleicht einen halbwegs normalen Sommer geben wird.  Einen Sommer, in dem wir die Überreste dessen, was wir als “Normalität” erachten, ungezügelt leben können. Über ein Jahr ist es her, dass wir uns in den ersten Lockdown verabschieden mussten und seither gab es wenn überhaupt nur kurze Phasen, in denen das Leben vermeintlich “normal” funktionierte. Vor etwa einem Jahr noch standen wir ein wenig unter Schock, so einen einschneidenden Eingriff in unser Leben kannten wir bislang nicht. Kein Konsum, keine Unterhaltung, keine Menschen, kein Nichts außer uns selbst in unseren eigenen vier Wänden – ein bisschen fühlte es sich an, als wären wir alle kollektiv aus dem gleichen Rausch aufgewacht, mit dröhnendem Schädel und irgendwie, irgendwie wussten wir auch gar nicht mehr so genau, wie wir hierher gekommen sind.

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Hört bitte auf! Ihr macht mir Angst!

Es ist alles schwer. Und besonders schwer ist es, in Worte zu fassen, was gerade alles schwer ist. Nun gut, da ist diese Krise, aber eigentlich, eigentlich…. Eigentlich fühlt es sich so an, als würde ich nicht nur die ganze Zeit zuhause rumsitzen, sondern mich auch nicht mehr trauen, das eigene Bett zu verlassen. Wie ein kleines Kind habe ich mich in der Dunkelheit auf mein Bett zurückgezogen. Und hier sitze ich nun zusammengekauert und halte mir verzweifelt die Ohren zu, um nicht mehr mitzubekommen, wie die Erwachsenen sich draußen streiten.

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Lockdown: Wir bleiben offen

“Weißt du, egal was heuer noch passieren wird, ich habe mir vorgenommen immer offen zuu bleiben”, erklärte ich feierlich am Ende eines langen Telefonats zu Beginn dieses Jahres. Wie gut sich dieser Satz angefühlt hat und wie zuversichtlich ich war, dass sich damit alles zum Besseren wenden würde. Wenn ich einfach offen bleibe.

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Hinter Glas – Wie manche Männer in mir neue Hoffnung wecken

Ich stehe hier an der Fensterfront und blicke in die Ferne. Es ist später Nachmittag, das Licht fällt angenehm sanft herein. Abgekämpft und müde von einem langen Tag, der noch kein Ende nehmen wird, bin ich hierher gekommen, um ein wenig nachzudenken. 

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30 ist das neue 15

Es ist Mittagszeit, ich sitze im Bus. Außer mir sind da nur ein paar ältere Menschen – ja, sogar noch älter als ich. Es ist ruhig irgendwie. Die Ruhe nimmt jedoch ein abruptes Ende, als der Bus an einer Schule hält, wo bereits Dutzende Halbwüchsige warten.

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Frieda und ich

Ich hatte nie das Vergnügen, in einer richtigen WG zu leben. Und wenn ich ehrlich bin, wohne ich sehr gerne alleine. So kann ich die Tür hinter mir schließen und muss mit niemandem mehr sprechen. Umso mehr hat es mich überrascht, als plötzlich Frieda bei mir einzog.

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Minimalismus ist mehr als nur Ausmisten

Ich gehöre zu jenen Menschen, die sich in einer minimalistischen Umgebung so richtig wohlfühlen. Zu viel Krempel macht mich nervös und so veranstalte ich regelmäßige Ausmistaktionen, um mir selbst nicht nur ein gutes Gefühl zu geben, sondern auch die Illusion aufrechtzuerhalten, ich hätte mein Leben im Griff.

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Liebe beste Freundin, ich sehe dich!

Als ich etwa elf oder zwölf Jahre alt war, haben zwei Schulfreundinnen und ich angefangen, uns gegenseitig Briefe zu schreiben. Nicht die klassischen kleinen Briefchen, die man sich im Unterricht verbotenerweise heimlich zusteckt, sondern richtige, seitenlange Briefe, die wir uns in der Schule gaben, um sie dann später zu lesen. Die großen Fragen unserer damaligen (Gefühls)welt haben wir darin erörtert, zwischen Sätzen wie “Mir gefällt deine neue Frisur” oder “Du hast voll den guten Style.”

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Wie naiv bist du eigentlich?

“Du bist ja so naiv”, denke ich bei mir, während ich den Erzählungen anderer Menschen lausche. Nicht etwa deswegen, weil sie mir von fernen Ländern und Krieg und Hunger und Not berichten. Nein, denn so naiv bin ich nicht, im Gegensatz zu vielen anderen vermeintlich Allwissenden, zu glauben, ich könnte mit meinem Erfahrungsschatz nur ansatzweise das Elend in der großen weiten Welt begreifen. Viel mehr sind es die Dinge in meiner eigenen unmittelbaren Lebenswelt, die mir das Gefühl vermitteln, die Welt nicht wirklich zu verstehen.

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