Kategorie: feinsinnig (Seite 1 von 4)

Von Zeit zu Zeit

Oft habe ich in den letzten Wochen in Gesprächen seufzend über die Qualität der Zeit geklagt und dafür viel Zustimmung erfahren. Aha. Offenbar bin ich mit dieser Empfindung nicht alleine. Dabei habe ich mich nie so sehr mit Zeit auseinandergesetzt. Sie war einfach. Eine unveränderliche Konstante. Und jetzt ist es irgendwie so, als würde die ganze Welt mit ihren Öffnungen und Schließungen und sich öffnenden Schließungen wie tausend arbeitslos gewordene Babyelefanten auf meiner Brust sitzen.

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Wir sterben hier in eurer Welt

Heute ist ein ganz normaler Tag in einem ganz normalen Jahr. Es wird wieder einen Lockdown geben. Die Pressekonferenz beginnt um kurz nach 10. Wir wissen jetzt schon, wie das sein wird. Die Regierung verkündet neue Maßnahmen, die einen werden sich entrüsten, dass die anderen noch nicht geimpft sind, die anderen werden sich zu spontanen Demos verabreden, weil sie ja jetzt vermeintlich in einer Diktatur leben und wir gefälligst ihre Ängste ernstzunehmen haben. Irgendwo zwischen all der Empörung und dem Geschrei wird die Nachricht untergehen, dass ein Mann seine Frau getötet hat. Heute ist ein ganz normaler Tag in einem ganz normalen Jahr.

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Ohne Ankommen kein Weiterkommen

„Ja sicha!“, sagt Ahmad* mit einer selten dagewesenen Selbstsicherheit und auf original Tirolerisch. Dabei grinst er breit und zuckt kaum merkbar mit der Schulter. Er wundert sich ein bisschen über meine Frage. Das kann ich seinem Blick entnehmen. Ob ihm seine Arbeitsstelle gefällt, wollte ich wissen. Dass er sich so selbstverständlich darüber wundert, deute ich als gutes Zeichen. 

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Kritische Öffnungsschritte, Transformationen, ein Kleiderschrank

Bald schon beginnen die ersten Öffnungsschritte und vorsichtig, ja noch sehr vorsichtig fragt sich die Resthoffnung in uns, ob es vielleicht einen halbwegs normalen Sommer geben wird.  Einen Sommer, in dem wir die Überreste dessen, was wir als „Normalität“ erachten, ungezügelt leben können. Über ein Jahr ist es her, dass wir uns in den ersten Lockdown verabschieden mussten und seither gab es wenn überhaupt nur kurze Phasen, in denen das Leben vermeintlich „normal“ funktionierte. Vor etwa einem Jahr noch standen wir ein wenig unter Schock, so einen einschneidenden Eingriff in unser Leben kannten wir bislang nicht. Kein Konsum, keine Unterhaltung, keine Menschen, kein Nichts außer uns selbst in unseren eigenen vier Wänden – ein bisschen fühlte es sich an, als wären wir alle kollektiv aus dem gleichen Rausch aufgewacht, mit dröhnendem Schädel und irgendwie, irgendwie wussten wir auch gar nicht mehr so genau, wie wir hierher gekommen sind.

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Von offenen Türen und vergebener Liebesmüh

Irgendwie tendieren wir dazu, die Räume, in denen wir uns bewegen, beim Hinausgehen schon in Nostalgie zu wandeln, und in den Menschen, die wir in dieser Nostalgie fanden, nur noch das Gute zu sehen.
Das Leben ist schließlich schon schwer genug, wie erleichternd und wohltuend ist es da erst, wenn jemand dir noch im Auseinandergehen nachruft: „Meine Tür bleibt immer offen für dich.“ Inmitten der Verletzung macht sich Erleichterung breit, dass nicht alles verloren sein muss. Und vielleicht, ja vielleicht auch ein wenig die Hoffnung, dass wieder da sein könnte eines Tages, was ohnehin nie war.

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Hört bitte auf! Ihr macht mir Angst!

Es ist alles schwer. Und besonders schwer ist es, in Worte zu fassen, was gerade alles schwer ist. Nun gut, da ist diese Krise, aber eigentlich, eigentlich…. Eigentlich fühlt es sich so an, als würde ich nicht nur die ganze Zeit zuhause rumsitzen, sondern mich auch nicht mehr trauen, das eigene Bett zu verlassen. Wie ein kleines Kind habe ich mich in der Dunkelheit auf mein Bett zurückgezogen. Und hier sitze ich nun zusammengekauert und halte mir verzweifelt die Ohren zu, um nicht mehr mitzubekommen, wie die Erwachsenen sich draußen streiten.

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Lockdown: Wir bleiben offen

„Weißt du, egal was heuer noch passieren wird, ich habe mir vorgenommen immer offen zuu bleiben“, erklärte ich feierlich am Ende eines langen Telefonats zu Beginn dieses Jahres. Wie gut sich dieser Satz angefühlt hat und wie zuversichtlich ich war, dass sich damit alles zum Besseren wenden würde. Wenn ich einfach offen bleibe.

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Beziehungs-Upcycling

„Ich bin ein Fan davon, Dinge auf die nächste Ebene zu heben“, haut sie einfach so raus, als wäre sie ein Guru oder so. Irgendwo in der Unterhaltung zwischen latest shit und Klatsch und Tratsch erhebt sie sich förmlich vor mir in einer sexy Toga mit zwei philosophisch ausgestreckten Fingern – wie so ein allwissender Messias, bloß ohne weißen Rauschebart.

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10.000 Schritte – Der Ausgangspunkt

Im Nachhinein betrachtet ist es nicht einfach, alles auf den einen Punkt zusammenzuführen, den einen bedeutenden Vorfall oder die eine schwere Krise. Hinter mir lagen ein paar Jahre, in denen das eine auf das andere gefolgt war – vieles ist zerbrochen. Mit Leibeskräften habe ich versucht, loszulassen, was nicht zu retten war, und zusammenzuhalten, was ich (noch) nicht loslassen konnte.

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