Schlagwort: Gesellschaftskritik

Wir sterben hier in eurer Welt

Heute ist ein ganz normaler Tag in einem ganz normalen Jahr. Es wird wieder einen Lockdown geben. Die Pressekonferenz beginnt um kurz nach 10. Wir wissen jetzt schon, wie das sein wird. Die Regierung verkündet neue Maßnahmen, die einen werden sich entrüsten, dass die anderen noch nicht geimpft sind, die anderen werden sich zu spontanen Demos verabreden, weil sie ja jetzt vermeintlich in einer Diktatur leben und wir gefälligst ihre Ängste ernstzunehmen haben. Irgendwo zwischen all der Empörung und dem Geschrei wird die Nachricht untergehen, dass ein Mann seine Frau getötet hat. Heute ist ein ganz normaler Tag in einem ganz normalen Jahr.

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Ohne Ankommen kein Weiterkommen

„Ja sicha!“, sagt Ahmad* mit einer selten dagewesenen Selbstsicherheit und auf original Tirolerisch. Dabei grinst er breit und zuckt kaum merkbar mit der Schulter. Er wundert sich ein bisschen über meine Frage. Das kann ich seinem Blick entnehmen. Ob ihm seine Arbeitsstelle gefällt, wollte ich wissen. Dass er sich so selbstverständlich darüber wundert, deute ich als gutes Zeichen. 

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Hört bitte auf! Ihr macht mir Angst!

Es ist alles schwer. Und besonders schwer ist es, in Worte zu fassen, was gerade alles schwer ist. Nun gut, da ist diese Krise, aber eigentlich, eigentlich…. Eigentlich fühlt es sich so an, als würde ich nicht nur die ganze Zeit zuhause rumsitzen, sondern mich auch nicht mehr trauen, das eigene Bett zu verlassen. Wie ein kleines Kind habe ich mich in der Dunkelheit auf mein Bett zurückgezogen. Und hier sitze ich nun zusammengekauert und halte mir verzweifelt die Ohren zu, um nicht mehr mitzubekommen, wie die Erwachsenen sich draußen streiten.

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Wie naiv bist du eigentlich?

„Du bist ja so naiv“, denke ich bei mir, während ich den Erzählungen anderer Menschen lausche. Nicht etwa deswegen, weil sie mir von fernen Ländern und Krieg und Hunger und Not berichten. Nein, denn so naiv bin ich nicht, im Gegensatz zu vielen anderen vermeintlich Allwissenden, zu glauben, ich könnte mit meinem Erfahrungsschatz nur ansatzweise das Elend in der großen weiten Welt begreifen. Viel mehr sind es die Dinge in meiner eigenen unmittelbaren Lebenswelt, die mir das Gefühl vermitteln, die Welt nicht wirklich zu verstehen.

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Von Kommentarspalten und Spielfeldrändern

Ich bin sehr müde. Die Geburtenrate in Österreich ist gestiegen. Endlich mal eine erfreuliche Nachricht, hätte ich gerne gemeint. Aber der Blick auf die Kommentare hat mich schnell eines Besseren belehrt. Wie viele von den putzigen kleinen Babys denn nun echte Österreicher sind, möchte man dort wissen. Nach Mädchen hat übrigens noch keiner gefragt, just saying. Und auch sonst ist irgendwie nie etwas gut genug.

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