Sicher hast du bemerkt, dass ich mich in letzter Zeit mehr und mehr zurückgezogen habe. Ich habe mich von dir entfernt und es ist dir auch nicht verborgen geblieben, dass ich offen mit anderen Städten zu liebäugeln angefangen habe.
Also ganz unter uns gesagt: Ich hab‘ ja nichts gegen Radfahrer. Viele von meinen besten Freunden sind Radfahrer. Aber es gibt nun mal Dinge, die dringend gesagt werden müssen. Reale Probleme, die in den Medien konsequent verschwiegen werden.
Dass man es als Frau oft schwer hat, das wissen wir bereits. Dauernd muss man irgendeinem perfekt gephotoshopten Ideal nacheifern, das man – realistisch betrachtet – eh nie erreichen wird. So gesehen könnte man diese ganze Zeit und den Aufwand ja auch darauf verwenden, einfach mal mit sich zufrieden zu sein. Je älter ich werde, desto eher finde ich mich damit ab, einfach nur eine Durchschnittsfrau zu sein. Ist irgendwie entspannter. Dass es aber heutzutage verdammt hart ist, einfach nur als Otto-Normal-Vedrbraucherin (bitte wie gendert man das richtig? – Frieda-Normal-Verbraucherin?) durch die Welt zu rennen, merkt man spätestens beim Kosmetikeinkauf.
Es ist schon mitten in der Nacht als der Anruf kommt. Lieber würde ich ihn ignorieren, aber etwas in mir sagt, dass es wohl von Bedeutung sein muss um diese Uhrzeit. „Hallo?“ – „Sie haben uns nicht reingelassen.“ – „Was meinst du?“ – „Sie haben uns in den Club nicht reingelassen.“ – „Scheiße.“ Es gibt Millionen Gründe dafür – normalerweise. Aber hier gibt es nur diesen einen, das wird sofort klar.
Das neue Schuljahr ist noch jung, ganz im Gegensatz zu mir, wie ich neulich feststellen musste. Beim Durchlesen eines neuen Dienstvertrages habe ich neulich ziemlich gestutzt. Fast 10 volle Jahre Vordienstzeiten wurden mir da angerechnet. Mein erster Gedanke: Das muss ein Fehler sein. Das wird ich denen wohl melden müssen. Aber als ich begonnen habe, nachzurechnen, wurde mir klar: Das ist kein Fehler. Damals, mit 23, habe ich angefangen.
Kleider machen ja bekanntlich Leute. Manchmal machen Kleider Leute auch verrückt, weil sie nämlich zu viele davon haben und diese sich unübersichtlich im Kleiderschrank türmen.
Ich bin sehr müde. Die Geburtenrate in Österreich ist gestiegen. Endlich mal eine erfreuliche Nachricht, hätte ich gerne gemeint. Aber der Blick auf die Kommentare hat mich schnell eines Besseren belehrt. Wie viele von den putzigen kleinen Babys denn nun echte Österreicher sind, möchte man dort wissen. Nach Mädchen hat übrigens noch keiner gefragt, just saying. Und auch sonst ist irgendwie nie etwas gut genug.
Kennst du das Gefühl auch? Wenn du feststellst, dass du eigentlich ziemlich alt geworden bist? Wenn du plötzlich checkst, dass die Jahrtausendwende auch schon wieder 16 Jahre zurückliegt? Wenn du plötzlich meinst, dass das Leben viel zu schnell an dir vorbeizieht? Fragst du dich dann auch manchmal, wo die ganze Zeit nur geblieben ist? Ich verrate es dir: Du hast sie in vollkommen sinnlosen Meetings vergeudet.
Es ist wieder soweit. Ich stehe an der Schwelle und warte. Drinnen ist schon alles vorbereitet. Bald werden die ersten eintrudeln. Im Laufe des Nachmittags erwarte ich etwas über 30 Menschen, die heute zum ersten Mal einen Deutschkurs besuchen. Die meisten von ihnen haben lange Zeit darauf gewartet, denn an Kursplätzen mangelt es immer noch massiv.