Würde ich das Profil für eine Partnervermittlung ausfüllen, dann würde ich irgendwo klar schreiben, dass ich Humor habe. Humor ist nun nicht unbedingt das Aushängeschild für die Traumfrau, es sei denn natürlich, es handelt sich dabei um die Art von Humor, die sie bei den unglaublich schlechten und flachen Witzen ihrer männlichen Gegenüber lachen lässt.

Aber nein, mein Humor ist anders. Er verbietet es mir sogar, über eure Flachwitze auch nur einen Mundwinkel zu verziehen. Tiefgründig ist er und zweideutig, genau wie ich. Voller Wortwitz, Sarkasmus und als Situationskomik schleicht er sich so selbstverständlich in jede mögliche Alltagssituation, dass er oft zunächst gar nicht als Humor erkannt wird. Ich kann ihn nicht bewusst abrufen, ich kann ihn aber auch nicht unterdrücken, denn wenn er raus muss, muss er raus. Nicht selten hat mir das bei anderen Frauen Kopfschütteln und beim anderen Geschlecht so eine Art Bro-Faktor gebracht, war ich schließlich immer diese eine Frau, die mit ihrer scharfen Zunge oft schon 3 Gedankengänge voraus war. Nicht selten erntete ich dabei auch hohe Sympathien und bewundernde Blicke, so wie Männer sie sich zuwerfen, wenn einer besonders viel Fleisch in kurzer Zeit essen oder besonders laut furzen kann. Der Bro-Status, den ich dadurch erhalte, ist eine Form der Anerkennung einerseits, ist aber auch wieder eine spezifische Schublade, in die ich hineingesteckt werde, um gängige gesellschaftliche Normen und Regeln – in dem Fall: Mann macht Witze, Frau lacht und streicht sich dabei lasziv durch die Haare – erfolgreich aufrecht zu erhalten. Ich bin dann halt in der Humorschublade drin als Bro, der komischerweise auch Titten hat.

Und meine Güte, wie gesellig es in dieser Schublade ist. Und ich bin in ihr willkommen als jemand, der es anderen Menschen angenehmer und leichter macht, sozial zu sein, weil ich mit meinen Witzen so eine Art gesellschaftliches Schmiermittel liefere und mich als Clown in die Menge schmeiße, um überall die Stimmung ein paar Grad anzuheben. Oder, wie eine Kollegin von mir es neulich formulierte: „Birgit du bist einfach so ein Mensch, den jeder gernhat. Es ist ganz leicht dich zu mögen.“

Schon gelesen? Die andere Seite der Angst

Aber ist das wirklich so einfach? Bin ich etwa gar nicht mehr als eine Netflixserie, die dich auf Knopfdruck zum Lachen bringt und dich Folge für Folge aus deinem tristen Alltag herausholt? So fühlt es sich oft an, wenn Menschen meine Gesellschaft suchen, bloß um ein wenig aufgeheitert und herausgerissen zu werden. Und klar, ich erfülle diese Rolle nur allzu gerne. Mit Freuden setze ich mir meine Clownsmaske auf und trage zur Erheiterung der Menschen in meinem Umfeld bei. Aber ich kann das überhaupt nur tun, weil ich tiefe Traurigkeit erfahren habe, weil ich Schmerzen erlitten habe, weil da wo Licht ist immer auch Schatten war, der am Ende das Licht noch heller erscheinen lässt. Ich kann es tun, weil ich ein sensibler Mensch bin, der andere Menschen fühlt, der Disharmonien fühlt bevor andere es tun und versucht sie auszugleichen. Ich habe angefangen, es zu tun, weil ich unsicher und schüchtern bin, weil ich Angst habe, Angst vor unangenehmen Situationen, Angst vor den Bewertungen anderer, Angst vor meiner eigenen Größe. Mein Humor ist eine Maske, die ich aufsetze, wenn nicht alles super ist, und die zu einem untrennbaren Teil von mir geworden ist, den ich auch gelernt habe zu genießen und zu feiern.

Aber sie ist eben nicht ich, sondern nur ein Teil von mir. Und so wie ich oft merke, dass Menschen von mir diese Rolle erwarten und nicht damit umgehen können, wenn ich still bin oder nachdenklich oder eben einfach mal nur gar nicht lustig, so merke ich auch oft, dass viele sich den Blick hinter die Kulissen sparen und mich auf das reduzieren, was sie als erstes von mir gesehen haben: Auf Spaß. Geistreichen Spaß, aber unterm Strich eben Spaß und Unterhaltung. Der Punkt ist halt, wenn man sich die Mühe nicht antun will, sich mit dem Menschen hinter der Clownsmaske auseinanderzusetzen, weil es da Tiefen gibt in mir und Abgründe, weil da Wut ist und Traurigkeit und Sensibilität und Kraft und Cleverness und Nachdenklichkeit und Sorge, dann wird man meine Witze niemals bis zum letzten verstehen können und auch niemals genießen können wie jemand, der sich auf das Alles in mir einlässt. Ich bin mehr als mein Humor und mein Humor ist mehr durch alles in mir, aber er ist nicht alles von mir. Und wer mein Alles nicht sehen will verpasst zwischen all den amüsanten und lustigen Momenten unweigerlich die allerwichtigste von allen Pointen.