Es ist Montag. Der Chef hat mal wieder zum Meeting geladen und alle wissen schon vorher: Es wird heiß hergehen. Im Sitzungszimmer gefühlte 35 Grad und die richtigen Diskussionen haben noch nicht mal angefangen. Deshalb dauert es erst mal, bis alle ihre Kampfposition eingenommen haben, hier wird noch ein Kaffee eingeschenkt, da werden noch Unterlagen eifrig sortiert, Kollege X hängt noch in einer dringlichen Sitzung auf der Toilette fest. Der Start verzögert sich zur Sicherheit um gute 15 Minuten.

Als dann endlich alle da und bereit sind, kommt man ohne viel Umschweife direkt zur Sache. Der erste Punkt auf der Tagesordnung: die Tagesordnung.

Das Handy von Kollege Y läutet lautstark. Alle werden aus der Konzentration gerissen. Kollege Y findet die Stummtaste nicht. Durch hektisches und unkontrolliertes Tippen wird der Klingelton immer lauter, bis der Anrufer schließlich nach einigen Minuten aufgibt.

Zurück also zur Tagesordnung. Es ist wichtig zunächst zu klären, ob lieber 2 kurze oder eine lange Pause gemacht werden soll. Bereits jetzt wird die Luft im Raum spürbar dicker.

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Die Raucher sprechen sich für mehrere kleine Pausen aus, während die Kollegen aus dem HR-Management auf einer längeren Pause nach exakt eineinhalb Stunden bestehen, so wie die Fachartikel es empfehlen. Die Buchhaltung besteht auf einer exakten Festlegung der Pausenlänge vorab. Die Diskussion wird auf später vertagt.

Ein Kollege wirft die Frage auf, wer eigentlich für die anfallenden Aufgaben im Bereich Geschirrspülermanagement zuständig ist. Aus einem eigens erstellten Protokoll mit Zeitdatentabelle geht hervor, dass er selbst allein in der letzten Woche zweimal – jawohl ZWEIMAL – den Geschirrspüler eigenhändig aus- und eingeräumt habe, obwohl dies laut Dienstvertrag nicht in seinen Kompetenzbereich fällt und auch seiner herrlichen Qualifikation nicht entspräche. Laute Proteste von allen Seiten. Für einen Moment reden alle durcheinander.

Nach mehrmaligem Versuch seitens des Chefs, das Stimmengewirr zu unterbrechen, wird der Punkt unter Allfälliges wieder aufgenommen.

Ungeklärt ist außerdem, so Kollegin Z, ob neben Schwarztee und Früchtetee auch Kräutertee für die Büroküche besorgt werden soll. Die Kollegen nicken in stiller Bewunderung darüber, dass Kollegin Z einen völlig neuen Problembereich scharfsinnig und zielgerichtet erkannt hat. Niemandem war zuvor aufgefallen, dass dieser Firma Kräutertee fehlt, aber plötzlich wurde es geradezu offensichtlich. Also wird ein Tea Think Tank eingerichtet, der in weitere Folge eine Mitarbeiterumfrage zur Evaluation der gewünschten Kräuterteesorten ausarbeiten sollte. Durch Klopfen auf den Tisch wird einstimmiger Beifall laut.

Mittlerweile sind es 40 Grad im Raum. Manche fächeln sich Luft zu, andere schütten sich mehr Wasser ein.

Die wichtigsten Dinge wurden noch nicht angesprochen. Nun aber wirklich zurück zur Tagesordnung. Es gibt viel zu tun. Möchte jemand eigene inhaltliche Punkte ergänzen?

Kollegin C hebt die Hand. Ja bitte? Sie hat sich überlegt, dass es total nett wäre, einen gemeinsamen Geburtstagskalender zu gestalten. Ob sie das selbst übernehmen möchte? Nein, sie hat nun wirklich genug mit ihrem Bereich zu tun, das geht wirklich nicht. Soll einmal jemand anderer Verantwortung übernehmen.

Blicke gehen im Raum umher. Wer will Verantwortung übernehmen? Blicke richten sich nach unten auf den Tisch. Schweißtropfen kullern über die Wangen. Es hat gefühlte 45 Grad im Raum.

Und dann – endlich! Es meldet sich einer zu Wort, der in der Hitze des Gefechts einen kühlen Kopf bewahrt hat, der die Initiative ergreift und handfest pragmatisch die alles entscheidende Frage in den Raum stellt:

„Sollen wir mal das Fenster öffnen?“