„Zwischen uns muss sich nichts ändern“, rufst du mir durch den dichten Wald zwischen unser beider Wege zu,  kurz bevor wir uns nicht mehr sehen…

Menschen fällt es mitunter schwer zu akzeptieren, dass die Entscheidungen, die sie treffen, Konsequenzen haben. Am liebsten möchten sie die Auswirkungen ihrer Handlungen nicht spüren. Entscheidungen bringen aber immer auch Veränderungen mit sich – Veränderungen in den äußeren Umständen oder Lebenssituationen, aber eben auch Veränderungen in Beziehungen.

Nicht selten markieren wichtige Entscheidungen den Übergang in eine komplett neue Lebensphase und öffnen damit den Raum für neue Entwicklungen. Das klingt doch eigentlich sehr positiv, oder? Warum also hegen wir gleichzeitig die Forderung, dass sich unsere Beziehungen nicht mit uns verändern sollen?

Oder spricht aus diesem Satz auch ein bisschen die Angst vor der eigenen Entwicklung, der Wunsch, festzuhalten was ist und was sich für uns gut und richtig anfühlt? Gleichzeitig sprechen wir dadurch aber unseren Beziehungen das Potenzial ab, sich mit uns zu entwickeln, mit uns zu wachsen. Eine Veränderung wird häufig schlicht mit Verlust gleichgesetzt. In Wahrheit bedeutet sie aber erst mal nur eine Transformation dessen, was jetzt ist. Warum also vorwegnehmen, dass das, was darauf folgt, schlechter ist? Und ist es nicht auch unfair, dem Partner gegenüber, für sich selbst Veränderung zu wünschen und ihn gleichzeitig in die ewig gleiche Schublade zu stecken? Weil es schlicht bequemer für uns ist in all der Unsicherheit einer Veränderung dann doch immer wieder auf die gute alte Schublade zurückgreifen zu können?

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Als Außenstehende/r ist es oft schwierig nachzuvollziehen, wenn Freunde, Familienmitglieder oder Partner schwerwiegende Entscheidungen für sich treffen, einen neuen Weg einschlagen möchten. Dies wird oft als Kränkung oder Ablehnung empfunden und daraus resultieren nicht selten Trotzreaktionen, die sich in Vorwürfen wie „Du hast dich so verändert!“ oder „Früher war alles viel besser!“ äußern. Wir beziehen damit Dinge auf uns persönlich, die gar nichts mit uns zu tun haben.

Manchmal mag es auch eine schwierige Herausforderung sein, Angehörigen dabei zuzuschauen, wie sie einen Weg einschlagen, der ihnen nicht gut tut. Denn zweifelsohne gibt es auch negative Erfahrungen, die wir alle auf unseren Wegen machen, und nicht jede Entscheidung, die wir treffen, war im Nachhinein richtig für uns. Aber sicher war sie zu diesem Zeitpunkt wichtig, weil wir durch sie etwas gelernt haben.

Es mag sein, dass Wege sich an bestimmten Abzweigungen trennen. Es mag sein, dass diese Trennung einen wichtigen Moment für beide darstellt, einen Raum öffnet, in dem jeder eine Weile seine eigenen Erfahrungen machen kann, so lange, bis die Wege einander wieder kreuzen und man von Neuem aufeinander trifft. Häufig gehen Beziehungen aus solchen Krisen tiefer und gestärkt hervor.

Es mag auch sein, dass manche Wege sich für immer trennen. Und ja, es kann sein, dass eine Transformation auch zum Verlust führt. Es gibt kein Versprechen, dass Veränderungen nicht auch mit Trennung und Schmerz verbunden sein können. Fest steht aber, dass wir dies nicht beeinflussen können und uns deshalb nicht scheuen sollten, unsere eigenen Erfahrungen – positiv wie negativ – zu machen.

Anstatt also hinter einem „Zwischen uns wird sich nichts ändern“ in Deckung zu gehen, sollten wir lieber aufrichtig sagen: „Bei mir wird sich jetzt etwas verändern. Bist du bereit, mit mir in diese neue Lebensphase zu gehen?“.