Da ist sie, diese eine Facebookfreundin, die sich jetzt als Fotografin selbstständig gemacht hat. Oder der Arbeitskollege, der sich eine Auszeit nimmt , um die Welt zu bereisen. Oder dieser eine Bekannte von Bekannten, der sein eigenes Start-up gegründet hat. Und mittendrin stehst du und denkst: „Echt jetzt? DIE als Fotografin, na ich weiß nicht, heutzutage kann sich ja jeder alles schimpfen“, oder „mir wär das viel zu anstrengend da mit dem Rucksack durch Indien zu tuckern, das hat außerdem eh schon jeder gesehen“, oder „bäääääh, schon wieder so ein Start-up, geh, muss das sein, der will sich doch nur selbst inszenieren.“

Wie Sodbrennen schwappen ganz plötzlich und unvermittelt schlechte Gedanken über diese Personen in dir hoch. Ob du es nun wahrhaben willst oder nicht: Was da aus dir spricht ist blanker Neid. Die Ablehnung, die du empfindest, ist nichts anderes als die Stimme in dir, die sagt: „Ich hätte dieses oder jenes auch gerne erreicht, ich wollte früher immer dieses oder jenes sein.“

Aber natürlich ist es nie dazu gekommen, weil du deinen Fokus auf etwas anderes gerichtet hast. Immer wieder hast du Grenzen gesetzt bekommen, wenn es um die Erfüllung deiner Träume und inneren Sehnsüchte ging. So lange, bis du selber daran geglaubt hast, dass es zu teuer, zu spät, zu unsicher, zu schwierig ist. All dies hat dich davon abgehalten, auch nur damit anzufangen. Du hast es dir von Anfang an aus dem Kopf geschlagen. Jetzt bist du innerlich wahrhaftig sauer auf Menschen, die dir zeigen, dass diese Hürden in deinem Kopf bezwingbar sind, und dass es Wege gibt, diese Träume zu leben.

Normalerweise juckt dich das auch gar nicht, wenn es dabei um weit entfernte Unbekannte geht, Ikonen und Illusionen. Sobald es jedoch fleischgewordene, angreifbare, dir bekannte Menschen sind, bist du damit so gar nicht mehr einverstanden. Deine Träume kommen dir durch sie viel zu nahe und stellen sich vor dir auf wie eine riesige Plakatwand, auf der steht: Das hättest du sein können, du Loser.

Du aber bist gerade viel zu sehr damit beschäftigt, dich in Missgunst zu baden, um diese Botschaft wirklich verstehen zu können. Und so wie dir geht es vielen anderen auch, jeden Tag. Blind vor Wut hinterfragst du auch nicht, was es diese Personen gekostet hat, um endlich an diesem Punkt angekommen zu sein. Du kennst nicht die Opfer, die sie tagtäglich gebracht haben und bringen, um sich ihre TRäume zu verwirklichen. Die vielen Stunden Arbeit neben der eigentlichen Arbeit, die vielen teuren Ausbildungen, die vielen Nächte, in denen sie wach gelegen sind voller Selbstzweifel und Fragen. Die Wahrscheinlichkeit, dass solche Resultate ohne einen gigantischen vorherigen Denk- und Lernprozess zustande gekommen sind, ist verschwindend gering. Und wenn du nicht bereit dazu bist, selber auch solche Opfer zu bringen, dann hast du verdammt nochmal kein Recht auf deinen Neid.

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Es ist nämlich nicht ihre Schuld, dass du offensichtlich nicht da bist, wo du gerne sein möchtest. Sie sind einfach vor dir losgegangen und haben die Hürden und Schwernisse des Weges in Kauf genommen. Und vor allem haben sie sich mutig dem inneren Kampf gegen die vielen Grenzen und Hürden im Kopf gestellt.  Und deshalb solltest du ihnen gegenüber vor allem eines empfinden: Dankbarkeit. Dankbarkeit darüber, dass diese Leute einfach so an dir vorbeispazieren und dich mit ihrer Freiheit und deinem Gefängnis konfrontieren. Sie zeigen dir, welche Sehnsüchte du in dir trägst und sie stehen als leibhaftiger Beweis vor dir, dass s sich lohnt für seine TRäume zu kämpfen und zum Gestalter seines eigenen Lebens zu werden.

Und vielleicht, ja vielleicht helfen sie dir mit ihren Erfahrungen sogar dabei – vorausgesetzt natürlich, dass du dir endlich eingestehen kannst, dass du sie eigentlich bewunderst, und aufhörst, ihre Leistungen und Errungenschaften kleinzureden. Wozu auch? Nur, damit du dich selbst für einen kleinen Moment besser fühlst? Damit machst du es dir einfach viel zu leicht und am Ende des Tages wirst du dir selbst damit einfach nicht gerecht.

Warum also legen wir uns gegenseitig noch weitere Steine in den Weg und versuchen, andere auf dieselbe Weise aufzuhalten, wie wir selbst nicht weiterkommen? Neid ist menschlich und niemand ist davor gefeit. Aber fang an, seine Botschaft zu lesen und daraus etwas Positives zu machen.  So erfolgreich, wie wir darin sind, uns selbst und andere kleinzureden und aufzuhalten, was glaubst du, wie erfolgreich wir erst sein könnten, wenn wir uns gegenseitig loben und unterstützen?