Du willst eigentlich nur nach einem langen Tag in Ruhe nach Hause kommen und es dir gemütlich machen. Du bist schon fast am Ziel, kannst die Haustür schon von Weitem sehen. Plötzlich bleibst du stehen, denn da ist er. Da, vor deiner Tür hängt er rum und wartet auf dich. Du kannst ihn förmlich aus der Dunkelheit leuchten sehen. Noch bist du zu weit weg, um Genaueres zu erkennen. Das ist auch nicht nötig, denn du weißt jetzt schon, welche Konsequenzen das für dich haben wird.

„Warum muss das immer mir passieren?“, fragst du dich selbst entrüstet, „Ich meine, es fing doch ganz harmlos an im Internet, ein scheinbar unschuldiger Deal. Ein paar Klicks nur und alles war erledigt.“ Doch während du noch mit dir selbst haderst, weißt du, dass du an ihm nicht vorbeikommen wirst. Er hat die Macht über dich und du kannst dich ihm nicht entziehen. Er weiß, was du willst, was du brauchst und macht dich zum Spielball deiner Lust.

Schon gelesen? Ich, verdammt beleidigt

Du bekommst ganz weiche Knie, während du dich langsam immer weiter annäherst. Du weißt genau, er wird dich wieder zwingen, Dinge zu tun, die du nie tun willst. Er wird dir sagen, dass du selbst aktiv werden musst, damit du kriegst wonach du suchst. „Nein, nein, nein, so wollte ich das nicht“, denkst du. Er wird dich dazu bringen das zu tun, was du am meisten hasst: mit fremden Menschen zu telefonieren. „Nein, bitte nicht, nur nicht das!“, graut es dir. Er wird dich zwingen, in die entlegendsten Orte zu irgendwelchen Tankstellen zu fahren für eine dubiose Übergabe. Und das alles nur, damit du schneller an deinen Stoff kommst. Die neue Kunstlederjacke und das Kleid aus Baumwoll-Jersey zum Beispiel.

„Ich will das nicht, ich will das nicht, ich will das nicht!“, flüsterst du dir selbst zu, während du deine Schritte zögerlich verlangsamst. „Bitte lass ihn nicht für mich gekommen sein!“, fängst du an mit dem Schicksal zu verhandeln, obwohl du innerlich weißt, dass du selbst die Verantwortung dafür trägst. Du selbst hast dich wider besseren Wissens darauf eingelassen. Dabei hattest du dir doch geschworen, es nie wieder zu tun. Für einen kurzen Moment fragst du dich, ob du dem doch noch irgendwie entrinnen kannst, aber du weißt, du musst da jetzt durch. Schließlich ist er an deiner Haustür und überdeckt mit seiner Präsenz deine Klingeln.

Als du schon ganz nah dran bist, atmest du plötzlich erleichtert auf. Es ist der Name des Nachbarn, der auf ihm prangt. Auf dem Benachrichtigungszettel der Paketzustellfirma. Puh, da hast du ja verdammtes Glück gehabt.