Integrationshaus – Einladung zum Schwelgen

Es kommt nur noch sehr selten vor, dass ich durch die Gumppstraße in Pradl gehe. Neulich war es wieder so weit. Ich hatte beruflich zu tun und war in Gedanken deshalb eigentlich ganz woanders. Aber auch das konnte nicht verhindern, dass in mir unweigerlich dieses Gefühl hochkam. Ein Gefühl, das dafür sorgt, dass meine Beine wie automatisiert zu diesem Ort zurückkehren.

Und so stehe ich hier ein weiteres Mal vor der Gumppstraße 71 und blicke ins Nichts. Nach 4 Jahren blicke ich ein jedes Mal ins Nichts, wenn ich hierherkomme, an diesen Ort, wo früher das Caritas Integrationshaus dem ganzen Stadtteil einen bunten Anstrich verliehen hat.

Das türkise Tor ist immer noch da. Als letzter Farbklecks vor einem Meer aus grauem Schutt erinnert es wie ein stiller Protest an das vielfältige Leben, das früher an diesem Ort stattgefunden hat. An diesem Ort der Offenheit, an dem miteinander gelebt, geliebt, gelitten, gelernt, gearbeitet und gestritten – meine Güte was wurde hier auch gestritten – wurde und an dem immer Ende Juni genau dieses Zusammenleben mit all seiner Vielfalt in einem (be)rauschenden Fest gefeiert wurde.

Schon gelesen? „Du kommst hier nicht rein!“

Heute ist das türkise Tor immer verschlossen.
Es ist fast genau 4 Jahre her, dass ich diesen Nachruf auf das Integrationshaus geschrieben habe. Das Haus ist seither einem großen Nichts gewichen. Einige der Projekte sind ihren eigenen Weg gegangen, wie etwa die Lernhilfe und der Dinnerclub, die in der Pfarre der Schutzengelkirche ein neues Obdach gefunden haben.

Und die Menschen? Auch sie sind immer noch da, wenn auch in alle Himmelsrichtungen verstreut. Jede/r ist seiner Wege gegangen, hat sich durch die veränderte Situation weiterentwickelt.

Obwohl es keinen Ort mehr gibt, der all diese Menschen und ihre Geschichten in sich bündelt, ist die familiäre Verbundenheit erhalten geblieben und zieht sich nun wie ein bunter wenn auch unsichtbarer Faden durch ganz Innsbruck. Die Integrationshausfamilie selbst ist zu jenem ideellen Ort geworden, an dem wir das Leben in all seinen Facetten miteinander teilen und auch gemeinsam trauern, wenn jemand aus unserer Mitte für immer von uns geht.

Und eines hat sich die Integrationshausfamilie in all den Jahren nicht nehmen lassen: Das Schwelgen in den unendlich vielen Erinnerungen. Und weil es sich am besten gemeinsam schwelgen lässt, steht der Dinnerclub am 28. Juni unter dem Motto „Let the good times roll“ – Ein Teil der Integrationshaus-Familie möchte mit euch in schönen Erinnerungen schwelgen.

Kommt vorbei und schwelgt mit! Um Anmeldung wird gebeten!

2 Kommentare

  1. danke für deinen text

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