Der Zauber ist vorüber. Das Glitzern und Funkeln der Weihnachtszeit ist verflogen und auch der Schwefelgeruch nach dem Feuerwerk in der Silvesternacht berührt dich irgendwie nicht mehr. Sehnsüchtig denkst du daran zurück, wie aufregend das alles früher war.

Es war der Höhepunkt des Jahres, eine wahrhaft magische Zeit und irgendwie war alles um dich herum wahnsinnig aufregend. Selbst die Schneeflocken haben ihre zauberhafte Wirkung verloren, stellst du enttäuscht fest. In deiner Vorstellung sollte es so sein, dass du mit einer Tasse heißem Kakao am Fenster stehst und das Naturspektakel in wohliger Wärme von innen betrachtest. Die romantische Vorstellung nimmt ein jähes Ende, weil du da raus musst um reale Besorgungen zu machen. Draußen herrscht das totale Verkehrschaos und  während du mit jedem Schritt im Schnee weiter abrutschst fragst du dich, wo eigentlich der Halt geblieben ist.

Dabei hattest du doch dafür gesorgt, dass alles sicher ist. So wie wir Menschen das eben tun. Wir verbringen unsere Jahre damit, nach Sicherheit zu streben und fügen uns in Gewohnheiten ein. Wir mögen Rituale und bleiben gerne in ihnen verhaftet. So entscheiden wir uns für den einen Job mit dem sicheren Einkommen, bleiben in Beziehungen stecken, die uns nicht weiterbringen und tun auch sonst so ziemlich alles, was uns irgendwie im Chaos der Welt das Gefühl gibt, nachts in Ruhe einschlafen zu können. Dann träumen wir, mitten aus dem Alltagstrott, von großen Reisen und Abenteuern, von Schmetterlingen im Bauch und großen Sprüngen – so lange bis der Wecker klingelt und du –  noch bevor die Augen richtig offen sind – schon wieder dieser Sicherheit hinterherjagst, Tag für Tag. Nur um am Ende eines weiteren Jahres wieder festzustellen, dass du mit jedem Schritt weiter abzurutschen drohst. 

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Wir opfern unsere Seele einer Sicherheit, die am Ende nicht mehr ist als ein Kartenhaus. Der allerkleinste Windhauch kann sie in ihren Grundfesten erschüttern. Stell dir vor, was erst passiert, wenn ein richtiger Schneesturm aufzieht. Du verwendest deine ganze Kraft darauf, das Kartenhaus stehen zu lassen, verbannst einen jeden kühnen Gedanken an Veränderung, an deine Träume und Sehnsüchte in irgendein staubiges Archiv in deinem Kopf und wartest dann völlig abgestumpft darauf, dass die große Chance wie ein Feuerwerk vom Himmel fällt und dein Leben auf magische Weise für immer verändert, die Liebe deines Lebens vorbeigezischt kommt und dich mitnimmt in einen wunderschönen Sonnenuntergang. Du wartest und wartest, dass endlich etwas passiert, was dir dieses Gefühl zurückgeben kann. Das Glitzern, das du nur noch in den Augen der nächsten Generation entdecken kannst, die zum ersten Mal einen Weihnachtsbaum sieht und die mit Bauchkribbeln noch an das Christkind glaubt. 

Es kommt niemand. Kein Weihnachtsmann und auch kein Christkind, keine gute Fee, keinTraumprinz. Niemand. Du bist nämlich schon groß und niemand ist mehr zuständig dafür, die Magie in dein Leben zu bringen. Niemand. Das heißt, niemand außer dir selbst. Genau du. Ja, das ist erschreckend, aber stell dir doch mal vor, wie es wäre, wenn du den ganzen Glauben an irgendeinen deus ex machina einfach mal in dich selbst investierst. Ja in dich, bist du nicht am Ende deine einzige Sicherheit? Verzaubere dich, indem du anfängst an dich selbst zu glauben. Zu glauben, dass du mehr verdient hast als dieses popelige Kartenhaus. Zu glauben, dass du selbst alles bist und alles hast, was du brauchst, um dorthin zu kommen, wo du immer schon mal hin wolltest. Bis jetzt hast du es doch immer durch den Schnee geschafft. Und wenn du jetzt noch an dich selber glaubst, stehen die Sterne ziemlich gut, dass das kommende Jahr zauberhaft wird. Genau wie du.